Die Stadtvertretung am 29.04.2026 hat die Entscheidung gebracht: Die große Mehrheit der Stadtvertreter schwenkte auf den Beschlussvorschlag der Verwaltung ein. Der operative Spielbetriebs wird zunächst für 3 Jahre an das Schleswig- Holstein Musik Festival (SHMF) übertragen.
Die Mehrheit der Stadtvertreter der FREIEN WÄHLER waren gegen diesen Beschluss. Zwar herrschte in der Fraktion Einigkeit darüber, dass man der Qualität der Veranstaltungen, die das SHMF in Aussicht stellt, vertrauen kann. Bedenken gab es jedoch hinsichtlich des über die Vertragsdauer gleichbleibend hohen Eigenanteils an Kosten, der den bisherigen städtischen Zuschuss von jährlich 95.000, - Euro um ein Vielfaches übersteigen wird.
Die Stadt wird zukünftig dafür verantwortlich sein, dem SHMF eine bespielbare Bühne und die erforderliche Infrastruktur bereitzustellen, außerdem muss noch in erheblichem Umfang Anlagevermögen von der bisherigen Festspiel gGmbH erworben werden, um Überhaupt den Betrieb fortsetzen zu können.
Kann sich die Stadt diese zusätzlichen, immensen Kosten angesichts der desolaten Haushaltslage überhaupt leisten? Was muss unternommen werden, um diese Entscheidung gegen zu finanzieren? Diese wichtigen, jedoch noch völlig ungeklärten Fragen hinderten eine große Mehrheit der Stadtvertreter nicht daran, dem Vertrag mit dem SHMF zuzustimmen.
Hätte es ein anderes Modell gegeben, die Kosten für die Stadt geringer ausfallen zu lassen?
Im letzten Monat war noch ein durchaus denkbares Angebot aus den Reihen der Eutiner Wirtschaft, vorgestellt von H. Hagen und M. Gutzeit, an die Mandatsträger und Verwaltung Eutins herangetragen worden. Beide wollten sich dafür stark machen, eine privatwirtschaftliche Trägergesellschaft zu gründen, um damit Mehrheitsgesellschafter einer städtischen Festspiel gGmbH zu werden und somit gegen finanzielle Unterstützung ein Mitspracherecht bei der künstlerischen Ausgestaltung der Eutiner Festspiele zu bekommen. Ihre Argumente, vor allem auch der Ansatz, auch weiterhin auf Opernaufführungen zu setzen - das SHMF hatte sich von der Aufführung von Opern distanziert und sich allein für die Formate Konzert und Musical ausgesprochen - waren durchaus stichhaltig, da gerade Opernproduktionen in den vergangenen Jahren in Eutin einen treuen Besucherzustrom hatten. Für die lokale Wirtschaft sind diese Gäste, überwiegend gut situierte „Best-Ager“, ein wichtiger Faktor gewesen.
In der direkten Gegenüberstellung der Kosten war dieses Angebot für die Stadt vorteilhafter, vor allem aber wäre mittelfristig die Perspektive, für die Stadtkasse die „Schwarze Null“ zu erreichen, denkbar gewesen. Die künstlerische Ausgestaltung blieb bei diesem Konzept allerdings vage, Herr Hagen betonte im Vorfeld jedoch immer, hier könne man über alles reden. Letztendlich mangelte es bei Verwaltung und Selbstverwaltung an Vertrauen und an dem Willen, aktiv mitgestalten zu wollen.
Denn das war der Tenor aller internen Gespräche der letzten Monate gewesen: es fehlte der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, etwas Zukunftsfähiges zu Stande zu bringen. „Eutin kann es einfach nicht“ ist das traurige Resümee einiger ehrenamtlicher Politiker im Hinblick auf den in der Vergangenheit leider schon mehrfach finanziell gescheiterten Festspielbetrieb gewesen.
Jetzt kommt also der starke Mann, nach dem die Mehrheit gerufen hat: Dr. Kuhnt vom SHMF soll und wird es richten: die Eutinerinnen und Eutiner können sich auf ein sicherlich hochwertiges Programm freuen. Die Marke „Eutiner Festspiele“ jedoch wird langfristig im SHMF aufgehen.
Finanziell fährt die Stadt bedauerlicherweise weiter mit Volldampf vor die Wand: das „Ziel“, eine der am höchsten verschuldeten Kommunen vergleichbarer Größe in Deutschland zu sein, ist bald erreicht.
(Siehe auch unsere Beiträge zur Wärmeplanung)
Stephan Langer
Ortsvorsitzender FREIE WÄHLER


