Original Planungsunterlagen zur Riemannstraße

Fahrradweg Riemannstraße
Fahrradweg Riemannstraße

Im öffentlichen Diskurs der letzten Wochen und Monate wurde von Seiten der Verwaltung von Stadt und Kreis (und artig kolportiert von der Presse) der Eindruck erweckt, dass die Eutiner Riemannstraße in ihrer jetzigen baulichen Struktur zu keiner Zeit einen regulär kombinierten Fuß und Radweg gehabt hätte.

Wir Freie Wähler haben von der Stadt Eutin die originalen, zur Umsetzung 2010 freigegebenen Planungsunterlagen angefordert und stellen sie hier zur Kenntnisnahme der Öffentlichkeit zur Verfügung. Wie man der Skizze rechts oben sehen kann, ist in der ursprünglichen Planung ein „Fuß- und Radweg“ eingetragen.

Auch das zugehörige blaue, runde Verkehrsschild wird in der Skizze gezeigt, was auch tatsächlich einige Jahre im Straßenbild Bestand hatte. Seinerzeit wurden für diese Umbaumaßnahmen, auch die Verkehrsberuhigung durch die Pflanzinseln, Straßenausbaubeiträge im vierstelligen Bereich von den Anliegern erhoben.

Schild Fussradweg
Schild kombinierter Fuß- und Radweg

Zur Erinnerung, worum geht es eigentlich?

Im Frühjahr 2025 hat ein Verwaltungsakt des Kreises Ostholstein unter Genehmigung der Eutiner Verwaltung unter völligem Ausschluss der Kommunalpolitik eine der Haupteinfallstraßen Eutins, die Riemannstraße, kurzerhand zur Wohngebietsstraße erklärt und eine Tempo 30 – Zone eingerichtet.

Rechtlich ist es leider so, dass in solchen Zonen keine Radwege ausgewiesen werden dürfen und auch die Vorfahrtstraßenregelung entfällt. (Eine ledigliche Temporeduzierung auf Tempo 30 mit dem kleinen runden Schild war nicht möglich, weil es weder Kindergarten, noch Krankenhaus in der Riemannstraße gibt. Tatsächlich fahren sehr viele Schulkinder morgens durch die Riemannstraße, aber dieses Argument verfing leider bei der Verwaltung nicht.) Wer die Riemannstraße entlang geht, oder fährt, sieht heute einen sehr breiten Fußweg auf der linken Seite stadteinwärts, der aktuell nur noch von einigen unerschütterlichen Fahrradfahrern genutzt wird, so wie es früher einmal erlaubt war. 

Foto vom Sommer 2025:
Foto vom Sommer 2025:

Die Fahrbahn ist verhältnismäßig schmal; und durch Pflanzinseln und parkende Autos kommt regelmäßig nur jeweils eine Autokolonne durch, die Gegenseite muss warten. Verschärft wird diese Situation seit einem dreiviertel Jahr durch die Verlagerung des Fahrradverkehrs auf die Fahrbahn, was zwangsläufig zu einem Stau führt, da diese Fahrradfahrer aufgrund der Straßensituation nicht überholt werden können, indes der frühere kombinierte Rad-/ Fußweg leer bleibt. Die Breitenverhältnisse sind in dieser Planungsskizze der Kreuzung Riemannstraße/ Deefstieg (wie auch das Foto oben) deutlich sichtbar:

Was sagen die Anwohner und Nutzer der Riemannstraße?

Eine Unterschriftenaktion im Sommer 2025 anlässlich des Straßenflohmarktes in der Riemannstraße erbrachte 268 Unterschriften (zzgl. 40 zu spät abgegebene Unterschriften) gegen die Wegnahme des Radweges und gegen die Rechts- vor Links-Regelung. Die Temporeduzierung wurde nicht kritisiert.

Sowohl im nächsten Hauptausschuss als auch in der folgenden Stadtvertretung haben Vertreter aller Fraktionen die problematische Situation der Riemannstraße erkannt und gegenüber der Verwaltung eine einvernehmliche Lösung, vielleicht auch die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung, angemahnt – bisher ohne Ergebnis. Die Verwaltung bzw. der Bürgermeister beruft sich auf die Zuständigkeit des Kreises und die zuständige Verkehrsbehörde des Kreises lehnt jedes Entgegenkommen bisher ab.

Die Position der Freien Wähler ist: die Menschen müssen den ehemaligen Radweg wieder benutzen dürfen. Leider wäre hierzu jedoch entweder die völlige Aufhebung der Tempo-30-Zone vonnöten, oder aber eine Gesetzesänderung auf höheren Ebenen, die Nutzung ehemaliger Radwege in Tempo-30-Zonen zu erlauben.

Wir Freie Wähler bleiben an dem Thema dran und werden die Entwicklung kritisch verfolgen. Die unsinnige Rechts- vor Links-Regelung könnte durch einzelne Vorfahrts-Schilder vor jeder Kreuzung aufgehoben werden. Das wurde andernorts bereits jetzt praktiziert, z.B. in der Fissauer Dorfstraße.